JEMEN

Chirurgische Kinderstation

Dr. Th. Emmanouilidis

Die chirurgische Kinderstation im Jemen hat am 28.03.2005 ihren Betrieb aufgenommen. Sie ist die erste und einzige operative Kinderstation im ganzen Jemen. Seit vielen Jahren beobachtete ich in allen Hospitälern, die ich besuchte, dass Kinder und sogar Säuglinge mit Verletzungen oder nach chirurgischen Eingriffen mit Erwachsenen in 6 bis 8-Bett-Zimmern zusammen lagen. Ein Beispiel eines dreijährigen Jungen: nach einem Beinbruch durch einen Verkehrsunfall lag der Junge zusammen mit seiner Mutter zunächst auf der chirurgischen Frauenstation zusammen mit sieben erkrankten und verletzten Frauen auf einem Zimmer. Als die Mutter nach Hause musste und dann der Vater das Kind betreute, wurde der Junge auf die chirurgische Männerstation verlegt. In dem Zimmer befanden sich vier Patienten zwischen 20 und 40 Jahren und drei Patienten älter als 60 Jahre, einer davon schwerkrank mit einem Schädelhirntrauma, ständig vor sich hin lallend. Für die Eltern und das Personal war dies eine ganz normale Situation.

         
  1. Als der Krankenhausdirektor des Al-Thawra-Hospitals 2004 veranlasste, die alte Verbrennungsstation zu renovieren, um dort eine Augenklinik unterzubringen, suchte ich erneut das Gespräch mit ihm. Zusammen mit dem Hospitaldirektor und allen Kollegen sprach ich über die Situation der Kleinkinder und schlug vor, statt der Augenklinik eine operative Kinderstation einzurichten. Ich sagte ihnen, dass das Hammer Forum hierfür das Equipment zur Verfügung stellen würde. Diese Idee fruchtete jetzt und der Klinikdirektor stimmte dem Vorschlag zu. Und auch der Gouverneur sagte jede Unterstützung der Station zu, nachdem ich ihm erklärte, dass die Kinder selbstverständlich ein Recht hätten, unter Kindern zu sein und sich wie Kinder zu benehmen. In der Folge schickte das Hammer Forum 20 Betten, Nachttische, Matratzen, Bettwäsche und andere notwendige Materialien per Container nach Taiz.
  2. Jetzt liegen die Kleinen zusammen in speziell für sie eingerichteten Zimmern, getrennt von den Erwachsenen. Sie können jetzt unter Gleichaltrigen bleiben, leiden, lachen und gemeinsam spielen. Sie bekommen so die Möglichkeit in ihrer Kinderwelt zu leben und müssen nicht auf schwerkranke Erwachsene Rücksicht nehmen. Dies bedeutet aber auch, dass sie nicht länger auf einem Kunststoffbelag ohne Stoffbezug und nicht getrennt von ihren Müttern liegen müssen. Die kindgemäße Unterbringung bedeutet damit eine deutliche Erleichterung und Verbesserung der allgemeinen Betreuung der Kinder durch ihre Mütter. Hinzu kommt, dass die Visiten und Nachsorge der kleinen Patienten nun leichter durchzuführen sind, müssen die Kinder nicht erst auf den verschiedensten Stationen gesucht werden.

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Neonatologie in Taiz 

Prof. Christoph Vogtmann, Dr. Torkil Benderut

Wie in allen Entwicklungsländern, so befindet sich auch in der Republik Jemen die Geburts- und Neugeborenenmedizin in einem besonders rückständigen Zustand. Das drückt sich im Jemen unter anderem in einer außerordentlich hohen Mütter- und Säuglingssterblichkeit. So sterben im Jemen von 57 von 10.000 Gebärenden. Zum Vergleich: in Deutschland stirbt 1 von 10.000 Gebärenden. Ähnlich drastisch die Unterschiede bei der Säuglingssterblichkeit (Sterblichkeit bis zum 1. Lebensjahr). So liegt die Sterblichkeit im Jemen bei 80 von 1.000 Geburten, in Deutschland hingegen bei 4 von 1.000 Geburten.

Da sich im Jemen nur in den größeren Städten Krankenhäuser zu finden sind, gebären die meisten Frauen zuhause. Wenn es dann zu Komplikationen kommt, sind die Wege in die nächste Klinik zu weit. Hinzu kommen die vielen wegen der unzureichenden Neugeborenenversorgung zeitlebens behinderten Kinder. Bei uns nicht mehr vorkommende Erkrankungen wie der Wundstarrkrampf oder tödliche Nabelinfektionen sind im Jemen alltäglich.

         
  1. Das Problem ist den Verantwortlichen im Land bekannt und sie versuchen etwas dagegen zu tun. So ist z.B. die Geburtshilfe, die einzige kostenfreie Leistung in einem Krankenhaus. Insgesamt sinken die Zahlen der Mütter- und Säuglingssterblichkeit im Lande. Doch für viele Mütter ist der Weg in eine Klinik zu weit. Hinzu kommt, dass die allermeisten Kliniken im Lande nicht auf Frühchen oder erkrankte Neugeborene eingerichtet sind.
  2. Seit 2003 unterstützt das Hammer Forum deshalb die Neonatologie im Yemeni-Swedish-Hospital in Taiz. Bei den ersten Besuchen bot sich ein Bild des Schreckens: ein Großteil der Einrichtung war defekt und nicht mit den dortigen Mitteln nicht zu reparieren. Grundlegendes Wissen zur Neugeborenenversorgung war auf der Station nicht vorhanden und bei den Medikamenten galt das schädliche Motto: Viel hilft viel. Zudem war ein ärztlicher Notdienst nur in den Vormittagsstunden auf der Station vorhanden. Alle Kinder, die nach der Mittagszeit eingeliefert wurden, mussten bis zum nächsten Tag warten, bevor sie untersucht wurden. Doch es gab auch positives zu berichten, so gab es auf der Station durchaus motivierte und lernbereite Ärzte und Schwestern.
  3. Längere Aufenthalte von Neonatologen und Schwestern aus Deutschland auf dieser Station haben die Versorgung der Kleinsten und Schwächsten grundlegend verändert. So gibt es heute einen 24-Stunden-Notdienst und alle Ärzte und Schwestern wissen, dass die Medikamente auf das Gewicht des kleinen Patienten abgestimmt werden müssen. Die Basiskenntnisse zu Hygiene und Ernährung konnten grundlegend verbessert werden. Durch Spenden aus Deutschland und dem regelmäßigen Besuch einen Medizintechnikers funktionieren zudem (fast) alle Inkubatoren und Wärmebettchen.
  4. Pflegemaßnahmen und ihre Dokumentation sowie Diagnostik- und Therapieabläufe wurden von Prof. Vogtmann aus Leipzig, Dr. Torkil Benderut aus Oslo und den Schwestern Claudia Puth und Stefanie Röper vor Ort zusammen mit den einheimischen Kollegen weiterentwickelt und standardisiert. Die Motivation für die damit verbundene Mehrarbeit konnte durch den Nachweis von Behandlungserfolgen erreicht werden. Auch konnte ein deutlich verbesserter, d.h. sparsamerer Umgang mit den knappen lokalen Ressourcen erreicht werden. Ein großes Problem bleibt jedoch zunächst noch. So werden zahlreiche Kinder stark unterkühlt und viel zu spät auf der Neonatologie eingewiesen, da die Wege zur Klinik sehr weit sind. Vielen Kinder kann daher auch unter den verbesserten Bedingungen nicht mehr geholfen werden. Doch insgesamt verlassen von Jahr zu Jahr immer mehr Säuglinge die Station gesund.
  5. Um wenigstens einen sicheren Transport für Frühchen und erkrankte Neugeborene, die auf der Geburtshilfe im entfernten Al-Thawra-Hospital in Taiz geboren werden, sicher zu stellen, hat das Hammer Forum der Klinik eine Baby-Ambulanz zur Verfügung gestellt, die 2010 ihren Betrieb aufgenommen hat.

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Physiotherapie im Jemen

Dr. Emmanouilidis, Karina Jung, Helga Ott, Franziska Muth

Dass Krankengymnastik heute zur Standardtherapie auf der Station für Brandverletzte am Al-Thawra-Hospital zählt, daran konnte 2003 kaum jemand glauben, denn wie so häufig war auch hier aller Anfang ein schwieriger.

Als mit Helga Ott die erste Physiotherapeutin den Sprung ins kalte Wasser oder besser gesagt in den heißen Orient wagte, war Krankengymnastik als Therapieform bei Brandverletzungen im Jemen völlig unbekannt. Deshalb galt es zunächst viel Überzeugungsarbeit bei Patienten, deren Angehörigen und dem einheimischen Personal zu leisten. Nur der Geduld, den guten Nerven und dem Einfallsreichtum aller ehrenamtlichen Kräfte, die seit 2003 das Ausbildungsprogramm in Taiz durchgeführt haben, ist es zu verdanken, dass die Physiotherapie heute nicht nur zu den Standardtherapien gehört, sondern ein hohes Ansehen genießt. Insbesondere die Behandlungserfolge, wie den fast vollständigen Rückgang von Kontrakturen (dauerhafte Verkürzung von Sehnen, Muskeln etc.) und die kürze Verweildauer von Patienten auf der Station führten allen Beteiligten die Sinnhaftigkeit dieser Methode vor Augen.

   
  1. Um auch dauerhaft eine Verbesserung der Behandlung von Kinder und Erwachsenen mit Brandverletzungen zu erreichen, ist es unabdingbar, dass einheimische Kräfte ausgebildet werden. Hierfür ist es wichtig, dass sowohl Männer als auch Frauen in das Programm aufgenommen werden, da es für jemenitische Frauen schwierig ist, sich von fremden Männern anfassen und behandeln zu lassen und im Gegenzug es für die Therapeutin nicht möglich ist, sich alleine mit einem fremden Mann im Behandlungsraum aufzuhalten. Doch auch diese Probleme konnten gelöst werden. Mittlerweile ist die Physiotherapie-Ausbildung im Jemen anerkannt und es liegen Anfragen von Krankenhäusern aus allen Landesteilen vor, mit der Bitte auch jemanden von ihrem Personal auszubilden.
  2. Zusätzlich zu den Patienten mit Brandverletzungen werden heute auch jedes Jahr rund 800 ambulante Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern versorgt. So konnte schon so mancher Aufenthalt von Kindern, die in Deutschland zur Behandlung waren, abgekürzt werden, da die notwendige Laufschulung oder Physiotherapie nun vor Ort durchgeführt werden kann.
  3. Auch wenn die Physiotherapie im Jemen mittlerweile hohes Ansehen genießt, ist die Arbeit vor Ort doch kaum mit der in Deutschland zu vergleichen. So muss bei der Ausbildung auf einige kulturelle Eigenheiten ebenso Rücksicht genommen werden, wie auf die eingeschränkte Bereitschaft mehrere Stunden am Stück zu arbeiten. In anderen Bereichen überzeugt dann aber auch wieder die Flexibilität der Jemeniten. So sieht man z.B. immer wieder, dass die entsprechenden Übungen auch im Hof durchgeführt werden, wenn die betreffenden Patienten sich gerade dort aufhalten. Auch werden alle zur Verfügung stehenden Treppen und Geländer genutzt, um die Übungen durchzuführen. Besonders beeindruckend sind aber die Kinder. Tapfer absolvieren sie die durchaus schmerzhaften Übungen unter Anleitung oder aber laufen alleine nach Anweisung den Gang auf und ab. Die Willenskraft der Kleinen ist dabei oftmals unglaublich groß.
  4. Nachdem die Überzeugungsarbeit vor Ort erfolgreich absolviert war, hieß es, entsprechende Räumlichkeiten zu schaffen. Dies ist bis zum heutigen Tag ein kleines Problem. Zwar stehen mittlerweile zwei gut ausgestattete Behandlungszimmer zur Verfügung, doch wenn die deutschen Ärzteteams im Einsatz sind, reicht der Platz vorne und hinten nicht aus. Ein Umzug der ambulanten Behandlungsräume in die Räumlichkeiten der Orthopädiewerkstätten ist deshalb geplant.

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Geburtshilfe am Al-Thawra-Hospital in Taiz

Dr. Emmanouilidis, Prof. Friedrich Röpke, Stephanie Röper

Die Geburt stellt für viele Mütter und Babys im Jemen ein hohes Risiko dar. Ca. 80% der Kinder in Jemen werdden zuhause geboren. So sterben jedes Jahr etwa 57 von 10.000 Gebärenden (in Deutschland eine Frau) und 80 von 1.000 Neugeborenen. Verlässliche Satistiken gibt es leider nicht.

Doch selbst wenn die Frauen, den Weg in die Geburtskliniken finden, ist ihre Versorgung noch lange nicht sichergestellt. So wie es am Al-Thawra-Hospital in Taiz bis zum Sommer 2007 aussah, sieht es noch in vielen anderen Kliniken des Landes heute aus: So mangelte es nicht nur im Bereich der Hygiene sondern oftmals auch an den elementaren Kenntnissen der Betreuung von Gebärenden. Darüber hinaus waren weder ein Ultraschallgerät, eine Personen- oder Kinderwaage noch andere diagnostische Hilfsmittel vorhanden, bzw. funktionstüchtig. So ist es nicht verwunderlich, dass immer wieder Kinder mit vermeidbaren Behinderungen, z.B. durch Sauerstoffmangel unter der Geburt, den medizinischen Teams vorgestellt wurden. Ebenso war eine medizinische Notfallversorgung für erkrankte Neugeborene nicht gewährleistet, da nicht einmal ein Inkubator auf der Station zu finden war, geschweige denn ein Kinderarzt hinzugezogen werden konnte.

         
  1. Erste Schritte zur Verbesserung der Situation in der Geburtsklinik in Taiz stellte der im Sommer 2007 fertig gestellte Neubau der Kreißsäle dar. Allerdings war auch hier einige Überzeugungsarbeit zu leisten, um wenigsten Wasseranschlüsse u.ä. installieren zu lassen. Nach der Fertigstellung dieses Gebäudetraktes stellte das Hammer Forum auch Teile der Ausstattung, wie z.B. gynäkologische Liegen einen Gynäkologischen-Op-Tisch, Babywaagen, Monitoren und Inkubatoren zur Verfügung.
  2. Wissen zu vermitteln war danach das Hauptziel der Hilfe in Taiz. So wurde die Ausbildung der einheimischen Hebammen kontinuierlich fortgesetzt. Hierzu gehörten z.B. die Strukturierung des Tagesablaufs auf der Station, Grundlagen der Basishygiene und der korrekte Umgang mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sowie die Vermittlung basismedizinischer Kenntnisse. Auch wurde der Umgang mit Neugeborenen eingeübt. Zudem wurde weiteres medizinisches Notfallmaterial zur Verfügung gestellt und ein Ultraschallgerät übergeben, so dass Gebärende nun untersucht werden können. Allerdings erschwert die mangelhafte schulische Ausbildung – bis hin zum Analphabetentum - der meisten Hebammen sowie die sehr dünne Personaldecke das Training des einheimischen Personals. Es gehört viel Geduld und Hartnäckigkeit dazu, den richtigen Umgang mit dem neuen Gerät einzuüben. Trotzdem hat sich in den vergangenen Jahren auch hier einiges verbessert. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den dort tätigen Gynäkologen und Hebammen. Während erstere recht wenig an der Geburtshilfe interessiert scheinen, gibt es unter den Hebammen doch einige, die mit großem Interesse dem Neuen gegenüber aufgeschlossen sind. Um die Eigenständigkeit zu fördern und nicht die Gewöhnung an „Problemlösungen durch die Deutschen“ zu erreichen, wurde die Präsenz deutscher Hebammen auf der Station seit 2009 reduziert.
  3. Heute kommen auf der Station jährlich rund 3.700 Kinder zur Welt. Sowohl die Versorgung der Gebärenden und der Neugeborenen als auch die hygienische Situation der Station haben sich grundlegend zum positiven verbessert. Trotzdem bleibt noch einiges zu tun. Insbesondere bei der Ausbildung der Gynäkologen ist noch großer Handlungsbedarf zu erkennen.

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Das Klumpfuß-Programm am Al-Thawra-Hospital in Taiz

Dr. Johannes Correll, Johanna Katharina Correll

Immer wieder stellen sich in der Sprechstunde des Hammer Forums am Al-Thawra-Hospital in Taiz Kinder mit schweren Fehlstellungen vor. Die Kinder werden nach der Geburt in aller Regel nicht von einem Arzt untersucht, daher werden kinderorthopädische Fehlbildungen wie Hüftfehlstellungen, Fußdeformitäten und Ähnliches oftmals nicht erkannt. Erst wenn die Kinder auffällige Schwierigkeiten beim Laufen oder anderen Bewegungen haben, werden sie einem Arzt vorgestellt. Viele der Fehlbildungen lassen sich dann jedoch nicht mehr ausreichend korrigieren, so dass die Kinder mit lebenslangen Behinderungen zurechtkommen müssen. Es ist daher wichtig, die Kinder möglichst frühzeitig einer Behandlung zuzuführen.

Von Anfang 2008 bis einschließlich September/Oktober 2009 haben wir die Behandlungstechnik nach Ponseti im Jemen vorbereitet. Hierbei wird die Fußfehlstellung bei Kleinkindern durch Anlegen von Gipsverbänden schrittweise korrigiert. In der Regel kann nach sechs bis acht Gipsen eine komplette Korrektur ohne grosse Operation erreicht werden. Danach folgt eine längere Phase, in der die Kinder eine Schiene tragen müssen, damit der Fuß sich nicht wieder zurückdreht. Die orthopädietechnische Versorgung ist in Taiz auf niedrigem Niveau, aber vorerst ausreichend, auch wenn die benötigten Orthesen nicht konfektioniert sind, sondern behelfsmäßig angefertigt werden.

         
  1. Im Rahmen unseres Aufenthalts in Taiz im Herbst 2009 wurde dann die erste Serie von Kindern mit der Ponseti-Methode begonnen. Sämtliche anfänglichen Gipse wurden gemeinsam mit Dr. Fauzi, einem sehr engagierten jemenitischen Orthopäden/Unfallchirurgen angelegt. Ein jemenitischer Krankenpfleger hat sich ebenfalls in die Ponseti-Methode eingearbeitet. Dr. Fauzi wurde inzwischen offiziell von sämtlichen unfallchirurgischen und orthopädischen Verpflichtungen für Erwachsene freigestellt und ist als erster Orthopäde und Unfallchirurg ausschließlich für Kinder und Jugendliche zuständig.
  2. Aufgrund der erhofften, dennoch keineswegs erwarteten Kooperationsbereitschaft bereiteten wir den Januar 2010-Einsatz derart vor, dass ab November 2009 eine Gruppe von Kindern mit angeborenen Klumpfüßen vorbereitend gegipst wurde.
  3. Besondere Schwierigkeiten macht immer noch der Wunsch der meisten Eltern, erst eine große und aufwändige Operation durchzuführen und danach die Gipsbehandlung zu machen. Unsere bisherige Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass die Eltern häufig zur unerlässlichen Nachbehandlung nicht erscheinen und somit ein Misserfolg vorprogrammiert war. Bei der Ponseti-Methode haben wir den großen Vorteil, dass die Eltern der Patienten in Vorleistung treten müssen und diejenigen, die nicht zu den einzelnen Gipswechseln erscheinen, aus dem Programm heraus fallen. Dies hat bisher zu einer erheblich besseren Kooperation mit den Eltern geführt. Ob die Eltern dann auch die Orthesen wie gefordert ihren Kindern anziehen werden, lässt sich noch nicht sagen, bisherige vorläufige Beobachtungen zeigen jedoch eine gute Compliance.
    Bei unserer Ankunft in Taiz stellte sich heraus, dass von den insgesamt 24 Klumpfüßen, die die Ponseti-Kriterien erfüllen, 20 soweit vorbehandelt waren, dass wir sie im Rahmen unseres Aufenthalts operieren konnten. Vier weitere mussten noch bis zum Ende unseres Aufenthalts gegipst werden, so dass wir dann doch noch die Achillessehnen-Durchtrennung machen konnten. Vier weitere schwerste Klumpfüße älterer Kinder wurden durch komplexe und aufwändige Operationen behandelt.
    Während der jeweils nachmittäglichen Ambulanz wurden die Kinder für die nächste Serie ausgesucht und deren Eltern instruiert. Wir haben unsere ambulante Sprechstunde bewusst auf maximal 35 Patienten pro Tag reduziert, damit wir mit den Eltern das Vorgehen gründlich besprechen können. Bisher hat sich dies bewährt. Auch ist es unserem jemenitischen Kollegen erstmals gelungen, den teilweise chaotischen Ansturm auf unsere Sprechstunde in geordnete Bahnen zu lenken.
    Die nächste Serie von Ponseti-Patienten wird von unserem jemenitischen Kollegen und dem dortigen Krankenpfleger in Eigenregie vorbehandelt. Wir beschränken uns bei den Patienten weiterhin bewusst auf das Einzugsgebiet von Taiz, auch wenn die Patienten immer noch aus dem ganzen Jemen kommen. Wenn die Anreise zum Krankenhaus jedoch zu weit ist, werden erfahrungsgemäß die Termine nicht eingehalten, so dass die Behandlung nicht zum Erfolg führt.
    Das Klumpfuss-Programm hat Wellen geschlagen: so haben wir bereits die ersten Anfragen aus anderen Städten im Jemen, wo man ebenfalls ein Ponseti-Programm auflegen will. Wir haben dies bisher abgelehnt, da vorerst die neue Methode in Taiz etabliert und an unsere jemenitischen Kollegen übergeben werden muss.
    Wir werden das Ponseti-Programm weiterhin begleiten und hoffen, dass wir es bald unseren jemenitischen Kollegen und Freunden ganz übergeben können. Damit wäre auch unser Wunsch nach Nachhaltigkeit erfüllt. Seit Januar 2010 konnten die Kosten für das Ponseti-Programm von der von uns ins Leben gerufenen Gruppierung „Doctors for Disabled – International e. V.“ übernommen werden, so dass es nicht mehr vom Hammer Forum finanziert werden muss.

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Die Apotheken im Al-Thawra-Hospital in Taiz

Dr. Th. Emmanouilidis, Edith Lukats

Seitdem ich am Al-Thawra-Hospital in Taiz Kinder operiere, sehe ich Patienten und Angehörige Medikamente, Infusionen, Verbandsmaterial, Spritzen, Narkosemittel usw. kaufen. Erst 2005 habe ich jedoch erfahren, dass auf dem Gelände des Hospitals mehrere Apotheken vorhanden sind. Ich bat den Direktor, mir alle Apotheken zu zeigen. Er zeigte mir drei Apotheken und vier Apothekenlager. An sieben Stellen lagerten somit fast identische Medikamente. Zum größten Teil waren sie unsortiert und teilweise verfallen. Daraufhin habe ich um ein Gespräch mit den Apothekern und dem Direktor gebeten. Alle 12 Apotheker und die 15 Apothekenhelfer kamen. Im Gespräch machte ich deutlich, dass eine Reformierung und Zusammenführung der Apotheken und deren Lager in eine größere und effektiver arbeitende Zentralapotheke absolut notwendig sei.

Glücklicherweise fand der Senioren Experten Service in Edith Lukats eine kompetente Apothekerin. So reisten wir zusammen nach Taiz. Frau Lukats konnte nicht nur den katastrophalen Zustand der zu vielen Apotheken bestätigen, sondern musste sogar meinen ersten Eindruck zum Negativen hin korrigieren.

Räumliche Veränderungen
Das Krankenhaus und damit auch die Apotheke wurden 1975 von Chinesen gebaut. Anfangs arbeiteten dort auch chinesische Apotheker in den vielen Herstellungs- und Untersuchungslaboren. Als die Chinesen sich zurückzogen, wurde die Arzneimittelherstellung eingestellt. Die Räume standen leer, verschmutzten und das bewegliche Inventar verschwand. Da bot es sich an, sie zu renovieren und zu Lagerräumen umzugestalten. Durch Benutzung all dieser Räume haben wir die Möglichkeit, hier wieder eine "Zentralapotheke" einzurichten.

  1. In den folgenden Monaten wurden folgende Punkte umgesetzt:
  2. Die Außenlager wurden aufgelöst und Medikamente, Infusionen, Laborbedarf, Verbandsstoffe und Krankenpflegeartikel kamen in die neue Zentralapotheke. 
  3. Altes und unbrauchbares medizinische Gerät wurde entsorgt; das andere wurde in einem kleineren Extralager untergebracht.
  4. Das Lager für Dialyse-Lösungen sollte nahe der Dialyse-Station untergebracht werden, kam jedoch zunächst in einem Notlager unter.
  5. Die Ambulanzapotheke wurde in die Zentralapotheke integriert.
  6. Die „Privatapotheke“ (mit teuren Medikamenten vom "freien Markt") wurde in die Zentralapotheke (mit preisgünstigen Medikamenten, von der Regierung subventioniert) eingegliedert.
  7. Die Nebenapotheke mit „Regierungsmedikamenten“ wurde aufgelöst.
  8. Die Zufahrtswege zur Apotheke wurden für die Anlieferung mit Lastwagen ausgebaut. 
  9. Weitere notwendige Ausrüstungsgegenstände, wie z.B. Waagen, Gefäße und Transportwagen verschiedener Größe wurden beschafft. 
  10. Für den Herstellraum wurde eine Geschirrspülmaschine – mit Flaschenspüleinsatz – beschafft. So eine Maschine war ein Fortschritt in Bezug auf Krankenhaushygiene.
  11. Reinigen der Apothekenräume
    Wenn in der Apotheke ordentlich und sauber gearbeitet werden soll, muss auch sauber geputzt werden. Das heißt, es muss immer dieselbe Person die Apotheke putzen, sie muss sich für die Arbeit verantwortlich fühlen. Dies bedeutet, dass eine notdürftige Reinigung der Laufwege nicht ausreicht. Unter Anleitung von Frau Lukats wurde eine Reinigungskraft entsprechend angelernt. Die Räume sind heute in einem für jemenitische Verhältnisse sauberen Zustand.

    Personal
    Es arbeiten nun insgesamt 12 Personen in der Apotheke. Dies ist auf die jemenitischen Verhältnisse angepasst worden.  Zudem wurden es eingerichtet, dass die Apotheke  365 Tage im Jahr jeweils 24 Stunden am Tag geöffnet ist, damit auch Notfälle versorgt werden können.

    Fazit
    Überzeugungskraft, Geduld und Beharrlichkeit waren notwendig, um das Personal zu gewinnen, die Apotheken zusammen zu legen. Die Erfahrungen und Lebensweisheit von Frau Lukats brachten das Unmögliche zustande. Ihr viel zu früher Tod war ein menschlicher und fachlicher Verlust für uns und die Menschen im Jemen. 

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